15.11.2017

HICARE-Fokus "Lebensmittelhygiene"

Rostock 15.11.2017

Mensch, Tier, Umwelt und Gesundheit müssen ganzheitlich betrachtet werden, um die Übertragung von Bakterien zwischen Mensch und Tier zu verstehen und die Sicherheit von Lebensmitteln zu verbessern. Wenn bakterielle Verunreinigungen auf Lebensmitteln  zu einer Erkrankung  führen, ist mindestens ein Schritt während der Anzucht, Verarbeitung, Lagerung oder des Transportes nicht unter den vorgeschriebenen hygienischen Voraussetzungen durchgeführt worden.
Der Workshop soll Konsumenten und Personen, die beruflich mit Lebensmitteln in Kontakt kommen, über Gefahren informieren und Lösungen zur Verbesserung der Hygiene auf dem gesamten Weg entlang der Lebensmittelkette anbieten. Auf der anderen Seite sollen der ÖGD und die lebensmittelverarbeitenden Akteure die Sorgen der Endverbraucher anhören und darüber mit ihnen diskutieren.


Zusammenfassung

Jeder Verbraucher wünscht sich hygienisch einwandfreie Lebensmittel. Voraussetzung ist, dass alle Schritte - angefangen von der Primärproduktion von Tieren und Pflanzen entlang der Lebensmittelkette bis zum Verzehr durch den Verbraucher - nach vorgeschriebenen Regeln verlaufen. Der Workshop "Lebensmittelhygiene" beleuchtete die Thematik aus Sicht der Erzeuger, der Überwachungsämter und natürlich auch der Verbraucher.
Fast 60 Teilnehmer verfolgten die Vorträge und beteiligten sich aktiv an der Diskussion, die von Fachtierarzt Dr. Kristian Kühn, Leiter des Referates für Lebensmittelüberwachung, Bedarfsgegenstände und Kosmetika im Ministerium für Landwirtschaft und Umwelt MV, moderiert wurde.
Herr Dr. André Göhler (Loeffler-Institut für Medizinische Mikrobiologie, Universitätsmedizin Greifswald) berichtete zu Beginn von Untersuchungen zu (multiresistenten) Erregern in Rohfleischprodukten in MV, die im Rahmen des HICARE-Projektes durchgeführt wurden. Demnach ist der Anteil von mit Krankheitserregern besiedeltem Fleisch in MV, gemessen an Gesamtdeutschland, recht moderat. Pute und Huhn waren stärker besiedelt als Rind- und Schweinefleisch. Wie hoch letztendlich die Übertragungsrisiken von Keimen und Resistenzen vom Fleisch auf den Menschen sind, kann bisher jedoch immer noch nicht eindeutig eingeschätzt werden.
Mögliche Gefahren bestehen nicht nur bei Fleischprodukten, auch der Verzehr von Fisch, Rohmilch und Rohmilchkäse, Backwaren, Obst und Gemüse kann lebensmittelbedingte Erkrankungen hervorrufen. Frau Dr. Petra Hiller (Bundesinstitut für Risikobewertung BfR) unterstrich mit vielen anschaulichen Beispielen von Ausbrüchen, welche unterschiedlichen Lebensmittelquellen zu einer Erkrankung führen können und durch welche Erreger sie hervorgerufen wurden.
Um das Risiko für den Verbraucher möglichst niedrig zu halten, wies Dr. Bernd Krugiolka (BEKA Schwerin e.K.)auf die umfangreichen Vorschriften, Verordnungen und die DEHOGA-Hygiene-Leitlinie hin, deren Einhaltung  vom Hotel- und Gaststättenverband unbedingt empfohlen wird. Er betonte, dass bei den Lebensmittelskandalen der letzten Jahre („Gammelfleisch“, Dioxin, Fipronil, EHEC, Noroviren) die Gastronomen nie Verursacher waren, sondern,wie die Endverbraucher, Betroffene.
Zuletzt berichtete Frau Antje Degner (Verbraucherzentrale MV)  u.a über vorgeschriebene Kennzeichnungen von Lebensmitteln. Sie gab noch gute Tipps, worauf der Verbraucher bei der Auswahl, beim Einkauf, der Lagerung, der Zubereitung und dem Verzehr von Lebensmitteln achten sollte.
In der anschließenden Diskussion wurden Rohmilch-Trinktankstellen kritisch beleuchtet. Viele Verbraucher bevorzugen natürliche Lebensmittel. Dass diese aber auch Gefahren bergen, ist ihnen oft nicht bewusst. Es wurde vom Gesundheitsamt dringend empfohlen, keine Rohmilch zu trinken,sondern sie vorher abzukochen.
Ein sehr umstrittenes Thema war die Hygieneampel, also ein grüner, gelber oder roter Punkt an Gaststätten je nachdem, wie gut dort die Hygiene beachtet wird: Während ein solches Ampelsystem von der Verbraucherzentrale eher befürwortet wird,  um mehr Transparenz für den Verbraucher zu schaffen, ist der Hotel- und Gaststättenverband strikt dagegen, da die Betriebe so öffentlich an den Pranger gestellt werden, auch wenn sie die Hygienevorschriften beachtet haben. Dieses Diskussionsthema führte zu keiner Einigung und selbst die Bundesländer agieren kontrovers mit dem Einsatz der Hygieneampel.

Moderator Dr. Kristian Kühn und die Referenten Dr. Andre Göhler, Antje Degner, Dr. Bernd Krugiolka und Dr. Petra Hiller

Programm

15-18 Uhr

Moderation: Dr. Kristian Kühn, Ministerium für Landwirtschaft und Umwelt Mecklenburg-Vorpommern, Abteilung 5 - Lebensmittelüberwachung, Veterinärwesen, Fischerei

•  Einführung: chemische, physikalische und biologische Lebensmittelhygiene
    Dr. Kristian Kühn, Ministerium für Landwirtschaft und Umwelt MV
•  HICARE-Erkenntnisse: Multiresistente Erreger in Rohfleischprodukten in MV
    Dr. André Göhler, Loeffler-Institut für Medizinische Mikrobiologie, Universitätsmedizin Greifswald
•  Lebensmittelhygiene entlang der Lebensmittelkette
    Dr. Petra Hiller, Bundesinstitut für Risikobewertung
•  Lebensmittelhygiene im Gastgewerbe – Welche Maßnahmen werden zum Schutz des  Konsumenten getroffen?
    Dr. Bernd Krugiolka, BEKA Schwerin e.K.
•  Tipps zur Lebensmittelhygiene für Verbraucher
    Antje Degner, Verbraucherzentrale MV
•  Diskussion

Im Anschluss an die Vorträge besteht bei einem kleinen Imbiss Gelegenheit zum Austausch.