05.04.2017

HICARE-Fokus "Multiresistente Erreger bei Mensch und Tier"

Rostock 5.04.2017

„One Health“ steht für die ganzheitliche Betrachtung der komplexen Zusammenhänge zwischen Mensch, Tier, Umwelt und Gesundheit. Grundlage dafür ist enge Zusammenarbeit der im öffentlichen Gesundheits- und Veterinärwesen tätigen Berufsgruppen. Diese soll in mehreren Workshops im Rahmen des Projektes HICAREplus intensiviert werden.

Ziel der Workshops ist die Förderung des Gedankenaustauschs zwischen Landwirten, (Tier)ärzten, Forschern und den verantwortlichen Experten beim LALLF und im Ministerium für Landwirtschaft, Umwelt und Verbraucherschutz MV, um durch ein noch engeres Verständnis und Miteinander das Tierwohl zu verbessern und die Entwicklung von Resistenzen im Humanbereich zu reduzieren.

Zusammenfassung

Resistente Bakterien und Antibiotika, die Resistenzbildung fördern, sind nicht allein Problem der Humanmedizin. Auch im Agrarbereich und der Umwelt liegen Gefahren, die zu einer Zunahme resistenter Bakterien führen können.

Prof. Feldhusen, Direktor des Landesamtes für Landwirtschaft, Lebensmittelsicherheit und Fischerei MV (LALLF) führt in die Thematik ein

Um diese Gefahren von allen Seiten zu beleuchten und Lösungsmöglichkeiten anzubieten, haben sich Ärzte, Tiermediziner, Landwirte, Verbände, Ministeriumsmitarbeiter und der öffentliche Gesundheitsdienst am 05.04.2017 zum Workshop „MRE bei Mensch und Tier“ getroffen. Das große Interesse, das unserer Veranstaltung entgegenkam, zeigt die Relevanz des Themas.

Eine Maßnahme zur  Verringerung der Resistenzausbreitung ist die Reduktion des Antibiotikaverbrauchs. Diese Maßnahme sollte konsequent im gesamten Human- und Veterinärbereich umgesetzt werden. Für den Veterinärbereich ist die in 2014 eingeführte Mitteilungspflicht zum Antibiotikaverbrauch in der 16. AMG-Novelle festgeschrieben und hat seitdem bereits zu einem deutlich verringerten Antibiotikaeinsatz geführt. Die erfolgreiche Umsetzung erfolgte durch die gute Zusammenarbeit aller involvierten Akteure in MV. Es bestand Einigkeit, dass Defizite, die sich nach der Einführung der Novelle in der Praxis gezeigt haben, durch Human- und Tiermediziner gemeinsam weiterentwickelt und bei der in 2019 geplanten Revision der Novelle eingearbeitet werden sollen. Die Tierärzteschaft wünscht sich auch die Einführung eines nationalen elektronischen Resistenzmonitorings und weniger Bürokratie mit der neuen Verordnung über tierärztliche Hausapotheken TÄHAV.

Resistenzen werden nicht nur zwischen Menschen, sondern auch zwischen Tier und Mensch ausgetauscht. Erschreckend hoch ist dabei die nasale Besiedlung von landwirtschaftlichem Personal mit MRSA im Vergleich zur Normalbevölkerung. Selbst Menschen, die im unmittelbaren Umfeld von Mastbetrieben leben, sind öfter mit MRSA besiedelt als Menschen in der weiteren Umgebung.
Auch über Gülle, Kot von Saatkrähen, Abwasser, und rohem Gemüse werden multiresistente Erreger  auf den Menschen übertragen. Im Projekt HICARE wurden z.B. in einer Studie Gewässer aus multiresistenten Keime untersucht. Dabei wurden ESBL-Keime  isoliert, die eine Gefahr für Badende sein können.  Weitere Untersuchungen werden aktuell im Projekt ANTIRES untersucht, in dem die Ausbreitungswege von Resistenzen über kommunale Abwässer untersucht werden.  Um Gefahren dort schnell erkennen zu können soll ein Schnelltest zur Detektion von Antibiotika und resistenter Erreger entwickelt werden.

In der anschließenden Diskussion war die wissenschaftliche Expertise unseres Gastredners, Prof. Witte, von unschätzbaren Wert. Viele Fragen konnte er anhand seines Wissens über aktuelle und vergangene Studien- und Publikationen beantworten. Es wurde auch intensiv darüber diskutiert, dass der Name „Reserve-Antibiotikum“ der falsche Begriff  und ein starres Verbot zum Einsatz von Reserveantibiotika nicht sinnvoll sei. Der Vorschlag von Moderator Dr. Freitag, eine Kommission, bestehend aus Human- und Tiermedizinern, zur Entwicklung von Leitlinien zum Einsatz dieser Antibiotika zu gründen, wurde von vielen Teilnehmern wohlwollend unterstützt.

Diese Veranstaltung ist als Auftakt für eine "One Health"-Reihe im Projekt HICAREplus angelegt. Weitere werden folgen, um gezielt Themen aufzugreifen und Aktivitäten voranzutreiben.

Programm

15-18 Uhr

Moderation: Dr. Dirk Freitag, Ministerium für Landwirtschaft und Umwelt Mecklenburg-Vorpommern, Abteilung 5 - Lebensmittelüberwachung, Veterinärwesen, Fischerei

  • Grußwort
    Dr. Doris Heim, Landesamt für Landwirtschaft, Lebensmittelsicherheit und Fischerei (LALLF)
  • HICARE-Erkenntnisse: Multiresistente Erreger bei landwirtschaftlichen Mitarbeitern, Nutztieren und Wildvögeln in MV
    PD Dr. Nils-Olaf Hübner, Institut für Hygiene und Umweltmedizin, Universitätsmedizin Greifswald
  • Übertragung von Resistenzen zwischen Mensch und Tier
    Prof. Wolfgang Witte (emeritiert), Robert Koch Institut, Berlin
  • Verbreitung von Resistenzen über kommunale Abwässer – Das Projekt ANTIRES
    Dr. Daniela Zühlke, Universität Greifswald
  • Umsetzung der 16. AMG-Novelle: Auswertung der bisherigen Meldungen aus Sicht des LALLF
    Dr. Doris Heim, Landesamt für Landwirtschaft, Lebensmittelsicherheit und Fischerei (LALLF)
  • Mitwirkung praktizierender Tierärzte bei der Umsetzung der 16. AMG-Novelle / der Deutschen Antibiotika Resistenz Strategie
    Dr. Karl Henning, Landesverband praktizierender Tierärzte MV e.V.
  • Diskussion

Im Anschluss an die Vorträge besteht bei einem kleinen Imbiss Gelegenheit zum Austausch.

Programm

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Vorträge