Fragen & Antworten

Der Fragen- und Antwortenkatalog wurde maßgeblich durch das Institut für Hygiene und Umweltmedizin der Universität Greifswald erstellt.

Was bedeutet MRSA?

Staphylokokkus aureus sind Bakterien, die natürlicherweise auf der Schleimhaut der Nase und seltener auch auf der Haut von jedem dritten, zum Teil auch jedem zweiten Menschen leben. Normalerweise verursachen diese Bakterien keine Infektionen.
Bei Verletzungen der Haut oder auch durch medizinische Maßnahmen wie z.B. eine Operation kann  Staphylokokkus aureus Wundinfektionen verursachen. Solche Infektionen können harmlos ablaufen (Abszess, Eiterbildung etc.), bei geschwächtem Immunsystem kann es aber auch zu schweren Infektionen wie einer Pneumonie  oder Sepsis kommen. Im Fall einer Infektion helfen Antibiotika die Bakterien zu eliminieren. Manche Staphylokokkus aureus sind resistent  gegenüber dem Antibiotikum „Methicillin“ und vielen anderen Antibiotika geworden. Solche Methicillin-resistenten Staphylokokkus aureus, nennt man abgekürzt MRSA (Methicillin-resistenter Staphylococcus aureus).

Was ist der Unterschied zwischen Infektion und Kolonisation (Besiedlung)?

Kolonisation (Besiedlung) bedeutet, dass MRSA-Bakterien auf der (Schleim-)Haut des Menschen siedeln und sich vermehren, ohne dass eine Erkrankung verursacht wird. Solche Patienten nennt man auch MRSA-Träger.
Infektion bedeutet, dass die MRSA über die (Schleim-)Haut eindringen und den betroffenen Menschen zusätzlich krank machen. In beiden Fällen müssen dieselben Hygienemaßnahmen durchgeführt werden. Der Unterschied besteht darin, dass Patienten mit Besiedlung vorbeugend saniert werden können, d.h. durch Waschungen und Nasensalbe wird versucht den MRSA von der Haut zu eliminieren bevor er eine Infektion auslösen kann – Patienten mit einer Infektion bekommen zusätzlich eine systemische Antibiose (Antibiotikatherapie mittels Tabletten oder Infusionen). Patienten, die ‚lediglich‘ besiedelt sind, erhalten in der Regel keine systemische Antibiose.

Wie bekommt man MRSA?

MRSA (Methicillin-resistenter Staphylokokkus aureus) ist ein Hautkeim den man jederzeit auf die Haut übertragen bekommen kann. MRSA kann sich jedoch auf der (Schleim-)Haut und im Körper eines gesunden Menschen nicht ohne Weiteres einnisten und ausbreiten, da die gesunde Haut- und Schleimhaut(flora) des Menschen einen Schutz gegen MRSA darstellt (Kolonisationsresistenz).
Sind jedoch Risikofaktoren vorhanden, wie z.B. häufiger Kontakt zu MRSA-Patienten, nimmt man häufig und lange Antibiotika ein, verfügt über chronische Wunden, etc. kann MRSA sich dauerhaft auf der Haut/Schleimhaut festsetzen und auch Infektionen verursachen. Die genannten Risikofaktoren finden sich regelmäßig bei Patienten in Krankenhäusern. Kommt es zu einer Infektion, dann passiert dies am häufigsten mit den Bakterien, die bereits auf der Haut des Menschen siedeln. Je häufiger MRSA auf der Haut vorkommt, desto häufiger wird MRSA Ursache für eine Infektion sein.


Gibt es Risikofaktoren?

Ja. MRSA kann sich dann besonders einfach auf der Haut und der Schleimhaut einnisten, wenn Risikofaktoren vorliegen.
Diese Faktoren sind vor allem:

  • Eine positive MRSA-Anamnese
  • Kontakt zu einem MRSA-Träger
  • Krankenhausaufenthalt (>24 h) innerhalb der letzten 6 Monate
  • Aufenthalt in einem Alten-/Senioren-/Pflegeheim (>24 h) innerhalb der letzten 6 Monate
  • antibiotische Therapie innerhalb der letzten 6 Monate
  • chronische Pflegebedürftigkeit
  • liegender Katheter (DK, SPDK, PEG etc.) oder andere medizinische Fremdkörper (Hüft-TEP, Knie-TEP etc.)
  • chronische Dialysepflichtigkeit
  • offene chronische (länger als sechs Wochen bestehende) Wunden
  • beruflicher direkter Kontakt zu Tieren der landwirtschaftlichen Tiermast (z.B. Schweinen oder Geflügel)

Bei Vorliegen eines oder mehrerer Faktoren, ist in jedem Fall bei Krankenhausaufnahme ein MRSA-Screening durchzuführen.

Warum muss bei Vorliegen von Risikofaktoren bei Aufnahme ein Screening durchgeführt werden?

Nicht alle Menschen tragen MRSA auf ihrer Haut/Schleimhaut und nicht alle, bei denen MRSA auf der Haut/Schleimhaut vorkommt, können MRSA auf andere übertragen. Das Wissen über die MRSA-Trägerschaft ist zunächst für den einzelnen Patienten selbst wichtig, der vor einer medizinischen Behandlung steht.
Nosokomiale Infektionen, wie nach z.B. maschineller Beatmung, Operationen oder Immunsuppression  sind häufig nicht zu vermeiden und erfolgen am häufigsten durch die Erreger, die bereits auf dem Menschen selbst leben. Ist in der Flora des Patienten bereits bei Krankenhausaufnahme MRSA vorhanden, ist dies bei einer späteren Infektion mit MRSA die wahrscheinlichste Ursache. Entscheidend für den Erfolg einer Therapie ist die frühzeitige und adäquate Therapie.

Ein Abstrich bei Aufnahme hat daher dreifache Bedeutung:

  1. Schutz des betroffenen MRSA-Trägers: Ist die Trägerschaft bekannt, kann vor der Therapie noch eine Sanierung durchgeführt werden.
  2. Ein Abstrich ist ein Blick in die Zukunft: Weiß der Arzt, dass sein Patient MRSA-Träger ist, wird er diesen Erreger bei Auftreten einer Infektion in seine kalkulierte Antibiotikatherapie miteinbeziehen.
  3. Schutz anderer Patienten: MRSA-Träger werden im Krankenhaus besonders behandelt. Sie liegen in einem Einzelzimmer oder werden „virtuell“ isoliert.,Eine Übertragung von MRSA über Personal auf andere Patienten wird dadurch verhindert.

 

 

Wie wird eine Untersuchung auf MRSA durchgeführt?

Um eine Trägerschaft festzustellen, muss eine mikrobiologische Untersuchung in einem Labor erfolgen. Hierfür wird ein Abstrich mit einem Wattetupfer von der Haut/Schleimhaut (meist Nasenvorhof, Rachen und ggf. Wunden) durchgeführt.
Ein Labor bestimmt das Vorhandensein von MRSA durch einen ein Schnelltest (molekulare Methode, sogenannter PCR-Test). Werden in diesem Schnelltest MRSA nachgewiesen, erfolgt anschließend daran ein Kulturnachweis. Werden keine MRSA nachgewiesen gilt der Untersuchte Patient als MRSA-negativ.

Sind Schnelltests besser als Kulturnachweise?

Als Standard zum Nachweis von MRSA gilt der mikrobiologische kulturelle Nachweis (Dauer: ca. 48 Stunden) von MRSA. Moderne molekulare Methoden sind vor allem aufgrund ihrer sehr hohen Schnelligkeit (Dauer des Tests: ca. 2 Stunden) und Sensitivität zum Ausschluss von MRSA-Trägerschaft geeignet. Positive Schnelltestergebnisse müssen jedoch kulturell bestätigt werden.

Welche Laborkosten verursacht eine Untersuchung auf MRSA?

Die Kosten eines MRSA-Screenings hängen von Art und Umfang der durchgeführten Untersuchungen (kulturelle Untersuchung oder PCR oder PCR und kulturelle Untersuchung nach positivem PCR-Befund) sowie von der Kalkulation des jeweiligen Labors ab. Jedoch kann man von durchschnittlichen Kosten von 30 bis 80 € ausgehen. Wird kein MRSA nachgewiesen, liegen die Kosten der Diagnostik bei ca. 35 €; bei positivem MRSA-Nachweis  (mittels PCR und anschließender kultureller Befundbestätigung) bei ca. 80 €. In der Folge eines positiven MRSA-Nachweises kann es zu weiteren Kosten durch notwendige Kontrollabstriche etc. kommen.

Sind MRSA-Screenings kosteneffektiv?

Es gibt zahlreiche Studien, die belegen, dass  selektive Screeningprogramme in Krankenhäusern kosteneffektiv sind. Das bedeutet, dass ein selektives Screeningprogramm mit präemptiver Isolierung gegenüber den Alternativen des generellen Aufnahmescreenings als auch dem Nicht-Screenen der Patienten bei Aufnahme vorteilhaft ist.

Welche Maßnahmen müssen bei einem Patienten mit (dem Verdacht auf) MRSA durchgeführt werden?

MRSA-Patienten werden möglichst in einem Einzelzimmer oder gemeinsam mit anderen MRSA-Trägern isoliert gepflegt, um eine Weiterverbreitung des Keimes auf andere Personen zu verhindern. Am besten haben solche Zimmer eine Schleuse davor. Dies ist aber aufgrund der vor Ort gegebenen Umstände in Krankenhäusern leider oft nicht möglich.

  • Das Personal betritt mit Schutzkittel, Mund-Nasen-Schutz, Handschuhen und ggf. einer Haube das Patientenzimmer. Bevor Personal oder Patient das Zimmer (oder die Schleuse) verlassen, wird eine Händedesinfektion durchgeführt. Die Schutzkleidung wird vorher ausgezogen.
  • Auch Besucher müssen Schutzkleidung tragen und die Hände beim Verlassen des Zimmers desinfizieren.
  • Ggf. wird eine Sanierungstherapie (s. u.) durchgeführt.
  • Es werden Abstriche vom Nasenvorhof, Rachen und ggf. von Wunden entnommen. Diese werden ins Labor zur Untersuchung geschickt. Findet sich in diesen Abstrichen dreimal hintereinander (an drei aufeinander folgenden Tagen) kein MRSA mehr, so gilt der Patient als „MRSA-negativ“ und die besonderen Hygienemaßnahmen (s.o.) können aufgehoben werden.
  • Es sollte bedacht werden, dass  sechs und zwölf Monate nach Entlassung aus dem Krankenhaus nochmals kontrolliert werden sollte, ob der MRSA-negative Befund weiterhin besteht. Hierzu sollte sich der Patient an seinen Haus- oder einen niedergelassenen Dermatologen wenden.
  • Der Patient sollte, auch wenn er erfolgreich saniert werden konnte, bei seinem Hausarzt und jedem zukünftigen Krankenhausaufenthalt erwähnen dass er bereits einmal MRSA-positiv gewesen ist.

Wie lässt sich MRSA nachweisen?

MRSA kann man auf der Haut, Schleimhaut der Nasenvorhöfe, im Rachen, (seltener auch unter den Achseln, dem Haaransatz, in der Leiste, und im Stuhl/Rektum, im Blut und im Urin) sowie bei Infektionen in der Wunde, nachweisen. Am häufigsten werden Nasenvorhof, Rachen und Wunde untersucht. Eine solche Untersuchung erfolgt mittels Abstrichtupfer.

Wie verbreiten sich MRSA?

MRSA kann auf andere Patienten/ Personen übertragen werden. Häufig verliert sich der MRSA wieder von der Haut. Nur wenn jemand eine Wunde aufweist  und zusätzlich immunsupprimiert ist, kann es zu einer Infektion kommen. Die einfache Übertragung reicht in der Regel nicht aus, damit MRSA dauerhaft auf der Haut des „Empfängers“ bleibt.
Dies ist Grundvoraussetzung für Übertragungen  und ist durch die regelmäßige Händedesinfektion kontrollierbar. Weitere Übertragungen geschehen eigentlich nur bei Vorliegen bestimmter Risikofaktoren.  Da Patienten im Krankenhaus nicht selten mehrere Risikofaktoren besitzen, übertragen sich MRSA zwischen Patienten im Krankenhaus am einfachsten.
MRSA lässt sich nicht bei jedem nur erdenklichen Kontakt übertragen. Die Übertragung eines MRSA-Erregers folgt biologischen Gesetzmäßigkeiten bedarf folgender Voraussetzungen:

  • ausreichende MRSA-Zahl auf der Haut des MRSA-Trägers,
  • direkte und wiederholteExposition mit kolonisierten Körperoberflächen des MRSA-Trägers,
  • Übertragung ausreichend vieler MRSA vom einer Person zur anderen,
  • Erreichen der Haut/Schleimhaut der Kontaktperson,
  • Konversion von transienter zu permanenter Flora durch Vermehrung und Durchsetzung auf der Haut der Kontaktperson,
  • Vorliegen von Risikofaktoren bei der Kontaktperson (Antibiotikatherapie, Wunden, Katheter etc.).

Die Übertragungswahrscheinlichkeit steigt bei häufigem und intensivem Kontakt oder wenn aufgrund medizinischer Maßnahmen  sehr hohe Mengen an MRSA freigesetzt werden.
MRSA kann zwar in der unbelebten Umgebung überleben und durch häufigen, mehrmals täglichen Kontakt von dort auf die Haut eines Menschen gelangen. Diese Situation findet sich jedoch nur in Gemeinschaftseinrichtungen (z.B. Nasszellen). Dort sind aus diesem Grund besondere Flächendesinfektionsmaßnahmen notwendig

Was bedeutet "MRSA-Kontaktpatient"?

MRSA-Kontaktpatient bedeutet, dass ein Patient mit einem bekannten MRSA-Träger das Zimmer teilt oder geteilt hat.  Aufgrund dessen besteht die Möglichkeit, dass auch dieser nun mit MRSA besiedelt ist. Um dies auszuschließen oder zu bestätigen, muss auch bei diesen Patienten  einmalig eine Abstrichuntersuchung auf MRSA vorgenommen werden. Bei zukünftiger Wiederaufnahme in ein Krankenhaus sollten diese Patienten angeben, dass sie bereits einmal Kontakt zu einem MRSA-Patienten hatte. , Danach sollte der Besiedlungsstatus  erneut überprüft werden.

Wie werden MRSA übertragen und wie kann das vermieden werden?

Die Übertragung von MRSA erfolgt wie oben erklärt (siehe Punkt "Wie bekommt man MRSA?") in erster Linie im Krankenhaus. Die Übertragung erfolgt dabei fast immer durch Kontakt und äußerst selten über Tröpfchen. Wichtigste Maßnahme, um eine Übertragung zu vermeiden, ist zu wissen, ob jemand MRSA-Träger ist. Hierfürein Screening durchgeführt werden. Zusätzlich werden dann im Krankenhaus besondere Vorsorgemaßnahmen (Isolierung des Patienten und Einsatz der PSA) angewandt, um eine Verbreitung auf andere Patienten zu verhindern. Bei negativem Screeningbefund können diese Maßnahmen beendet werden.

Kann man MRSA behandeln?

Ja. Bei Patienten, bei denen eine Kolonisation festgestellt wurde, beschränkt sich die Therapie auf die Eliminierung des MRSA von Haut und Schleimhäuten. Hierzu werden Sanierungssubstanzen in Form von antiseptischen Waschlotionen, Mundspüllösungen und Nasensalben eingesetzt. Bei vorhandenen kolonisierten Wunden erfolgt ausserdem der Einsatz von antiseptischen Wundsalben oder -spülungen.

Bei Patienten, bei denen eine MRSA-assoziierte Infektion vorliegt, erfolgt zusätzlich eine systemische antibiotische Therapie. Das heißt, die Antibiotika werden nicht nur lokal (in Form von Salben oder Spülungen) verabreicht, sondern oral oder intravenös, so dass der Wirkstoff im gesamten Körper und auch innerhalb des betroffenen Gewebes wirken kann.  Obwohl MRSA resistent gegen zahlreiche Antibiotika sind, gibt es so genannte Reserveantibiotika, die zur Therapie von MRSA eingesetzt werden.

Was bedeutet Sanierung?

Die Sanierung/ Sanierungstherapie oder auch Eradikationstherapie dient der Eliminierung der MRSA von Haut und Schleimhäuten des Trägers. Bei gesunden Menschen ohne Risikofaktoren lässt sich MRSA aus seinem Hauptreservoir, dem Nasenvorhof relativ leicht entfernen. Hierzu werden antibiotische  oder antiseptische Nasensalben angewendet. Innerhalb weniger Tage ist dann mit einer Eliminierung des MRSA zu rechnen und der Erfolg der Sanierung anschleißend mittels Abstrichuntersuchung zu bestätigen. Die Erfolgsrate dieser einfachen Sanierung ist relativ hoch.
Liegen sanierungshemmende Faktoren vor (z.B. eine Wunde, Katheter o.ä.), muss nach erfolglosen Sanierungsversuchen zunächst die Heilung bzw. Beendigung des Faktors angestrebt und abgewartet werden, bevor die endgültige MRSA-Sanierung angegangen werden kann. Dennoch ist auch in dieser Phase eine Sanierungstherapie zur Keimreduktion sinnvoll.

Wie lange muss ein MRSA-Träger im Krankenhaus in einem Einzelzimmer mit zusätzlichen Hygienemaßnahmen gepflegt werden?

Alle Anstrengungen richten sich auf die Therapie der Grunderkrankung (z.B. Wunde, Decubitus) und der anschließenden Schlusssanierung des MRSA-Trägers, um den MRSA von der Haut und der Schleimhaut des Patienten zu entfernen. Die besonderen Hygienemaßnahmen müssen nur im Krankenhaus solange durchgeführt werden, bis der MRSA nicht mehr auf der Haut/Schleimhaut nachgewiesen wird.  Die Sanierungstherapie sollte in jedem Fall auch nach der Entlassung aus dem Krankenhaus weitergeführt und kontrolliert werden.

Müssen bei Entlassung eines MRSA-Patienten besondere Schutzmaßnahmen beachtet werden?

Krankentransport
Während eines Krankentransports ist eine Übertragung auf Personal nur möglich wenn es zu intensivem Kontakt oder direkte Exposition des Personals bei Verbandwechsel oder Intubation kommt. Nach Ausziehen der Schutzkleidung ist eine sofortige Händedesinfektion erforderlich. Das Tragen von weißen flüssigkeitsdichten Schutzoveralls mit Kapuze und Atemhalbmaske/Mundschutz sind beim Transport von MRSA-Patienten nicht angezeigt. Übertriebener Schutz führt zur Verunsicherung von Angehörigen und Patienten und zu unnötigen Kosten.

Alten-/Pflegeheime
Zum Umgang mit MRSA-Trägern im Alten-/Pflegeheim liegen klare Empfehlungen der KRINKO-Kommission am RKI vor. MRSA-Träger müssen nicht grundsätzlich isoliert gepflegt werden, situationsangepasste Hygienemaßnahmen reichen aus und erweiterte Maßnahmen sind nur in seltenen Fällen bei direktem Kontakt notwendig. Die konsequente Weiterführung einer Sanierungstherapie steht im Vordergrund.  Siehe dazu auch auf die Empfehlungen des RKI.

Arztpraxis
In der Arztpraxis sind keine Maßnahmen wie im Krankenhaus notwendig. Hier sind eine gute Praxisorganisation (MRSA-Patient nicht im überfüllten Wartezimmer warten lassen) und konsequente Standardhygiene erforderlich.

Zuhause
Träger von klassischen MRSA, die im Krankenhaus erworben werden, stellen für ihre Angehörigen keine Gefahr dar. Kontaktpersonen, die offene Wunden haben oder stark immunsupprimiert sind, sollten die persönliche Hygiene – nicht nur wegen des MRSA-  streng einhalten. Schwangere sind nicht besonders gefährdet und sollten neben persönlicher Körperhygiene nach Kontakt mit einem MRSA-Patienten die Hände waschen.

Bei ambulanter oder häuslicher Pflege
Allgemein sind die Maßnahmen analog zur Heimrichtlinie (des RKI) anzuwenden. Beim direkten Umgang mit infizierten Wunden, Sekreten, Stuhl etc. sollten Schutzmaßnahmen wie Handschuhe angewendet und eine anschießende Händedesinfektion durchgeführt werden.

Ist es gefährlich im selben Raum mit einem MRSA-Patienten zu sein?

Für gesunde Menschen ist das Risiko einer MRSA-Ansteckung  verschwindend gering. So lange Angehörige und Besucher gesund sind, schadet es niemandem mit einem MRSA-Patienten in einem Raum zu sein. Normaler Kontakt, wie Händeschütteln oder Umarmen sind möglich. Nach Kontakt sollten die Hände jedoch vorbeugend gewaschen und desinfiziert werden.

Wie sieht die Sanierung eines MRSA-Trägers aus?

Die endgültige Entfernung von MRSA von der Haut und der Schleimhaut eines Menschen nennt man MRSA-Sanierung. Liegen Faktoren vor, die das Vorhandensein von MRSA begünstigen (Antibiose, Wunde, MRSA-Infektion, Katheter etc.) kann eine Sanierung unter Umständen auch erfolglos sein. Dann steht zunächst die Heilung bzw. Beendigung dieser Faktoren im Vordergrund. Während dieser Zeit angewandte Nasensalben oder Waschungen der Haut können die MRSA-Zahl jedoch reduzieren, um einer (zusätzlichen) Infektion vorzubeugen.

Die Bedeutung des Eingangsscreenings von MRSA-Risikopatienten für das Krankenhauspersonal.

Personal ist nur deshalb mit MRSA besiedelt, weil es Kontakt zu MRSA-Patienten hat ohne sich zu schützen. Das liegt in den allerseltensten Fällen daran, dass Pflegende und Ärzte die Hygienemaßnahmen nicht einhalten. Es liegt vor allem daran, weil Krankenhäuser MRSA-Risikopatienten bei Aufnahme nicht auf MRSA hin untersuchen und damit MRSA nicht für ihr Personal sichtbar machen.

Warum kommt es zur Rekolonisation sanierter Patienten?

Die Wiederbesiedlung mit MRSA kann unterschiedliche Ursachen haben (z.B. frustrane Sanierung, sanierungshemmende Faktoren, Wiederbesiedlung durch MRSA-kontaminierte  Haushaltsgegenstände, Neubesiedlung durch neuen MRSA,  etc.). Um die Ursache verstehen zu können, kann eine Typisierung der beiden MRSA-Isolate (vor und nach Sanierung) sinnvoll sein. Nach Recherche der möglichen Ursachen der Wiederbesiedlung kann ein zweiter Sanierungszyklus durchgeführt werden.

Warum reicht ein negativer Kontrollabstrich nach einer Sanierung nicht aus?

Es ist bekannt, dass bis zu 40% der Patienten nach Sanierung innerhalb der folgenden Monate wieder positiv werden. Die Gründe sind bisher nicht hinreichend geklärt. Die drei negativen Abstriche an drei aufeinander folgenden Tagen gelten daher zur Entisolierung im Krankenhaus und zur Aussage ob eine Sanierung erfolgreich war oder nicht.

Qualifizierungsangebote

Übersicht über Aus- und Weiterbildungsangebote im Hygienebereich in Mecklenburg-Vorpommern:

Sammlung HICARE-Vorträge

Ausgewählte Vorträge aus verschiedenen HICARE-Veranstaltungen haben wir in der Vortragssammlung zusammengestellt:

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